Jogi Löw: Sanfter Fairness-Guru mit klaren Ansagen

Jogi Löw: Sanfter Fairness-Guru mit klaren Ansagen

Der Chef der DFB-Elf gilt inzwischen als Lichtgestalt einer neuen Führungskultur, die dem Begriff „sportlich-fair“ eine neue Dimension gegeben hat. Die resultiert aus einer erfolgreichen Kombination aus sanfter Motivation und absoluter Klarheit: jeder weiß, woran er ist, alle haben sich im Team klar definierten Zielen unterzuordnen. Damit verbunden sind eindeutige Kriterien für die Auswahl und das Zusammenspiel des Kaders. Das erzeugt ein Klima, in dem Entscheidungen nicht nach emotionaler Gemütsverfassung oder wechselnden persönlichen Neigungen getroffen werden, sondern nach für alle verbindlichen Spielregeln. Fair Play also auf der ganzen Linie.

DIE WELT hat kürzlich in der Rubrik „Management“ publiziert, was „jeder Chef von Jogi Löw lernen“ kann (1). Danach zeichnen sich starke Führungskräfte durch 9 Maximen ihres Handelns aus:

1) Demut: Im Sieg die Niederlage nicht vergessen
Wer sich im Triumph an vorherige Niederlagen erinnert und Empathie für unterlegene Gegner zeigt, läuft kaum Gefahr, sich plötzlich für unbesiegbar zu halten. Diese Demut schützt vor Selbstüberschätzung, die gerade im Sport zu jähen Abstürzen führen kann.

 

2) Viel Mut: Das Neue zulassen
Statt aus restriktivem Sicherheitsdenken heraus ausschließlich auf bewährte Konzepte und Mitstreiter zu setzen, gewähren erfolgreiche Führungskräfte großen Raum für alles Neue und experimentieren gern. Das eröffnet neue Perspektiven und Wachstumspotenziale.

 

3) Keine Fouls: Loyalität und Vertrauen auch bei Fehlern
Diese Eigenschaften ist vor allem wichtig, wenn etwas schief läuft. Wer anderen (und sich selbst) das Recht auf Fehler zugesteht statt mit wilden Schuldzuweisungen zu reagieren, kann sicher sein, dass das mit doppeltem Einsatz belohnt wird.

 

4) Ein Schuss Unbeirrbarkeit: Konsequente Verfolgung eigener Überzeugungen im Team
Das ist eine der größten Herausforderungen für Führungskräfte: der Spagat zwischen Beratungsfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit in Bezug auf die eigenen Auffassungen. Lernfähiger Teamgeist und individuelle Überzeugungstäterschaft müssen einhergehen.

 

5) Niemals stehen bleiben: Unbedingter Wille zur persönlichen Weiterentwicklung
Nur wer immer wieder an seine persönlichen Grenzen geht und diese in schmerzhaften Prozessen kontinuierlich erweitert, kann das auch von anderen verlangen – genau darin der Erfolg einer fordernden Führung durch Vorbild.

 

6) „Ausgefeilte Strategie“: Synthese aus analytischer Präzision und kreativer Planung
Wer sein Team auf eine bestimmte Strategie einschwört, ist es ihm fairerweise schuldig, dass sie auf einer professionellen Analyse unter Nutzung aller innovativen Instrumente fußt. Das fördert Einsichten und Vertrauen in die strategischen Schritte und Notwendigkeiten.

 

7) Große Gefühle: Emotional wirksame Appelle an den persönlichen Ehrgeiz jedes Einzelnen
So unterschiedlich die einzelnen Teammitglieder sind, so unterschiedlich müssen sie motiviert werden. Das gelingt auf einer emotionalen, persönlichen Ebene in der Regel besser als durch rationale Vorgaben und gleiche Schlachtrufe für alle.

 

8) Junge Konkurrenz: Chancen für den Nachwuchs
Je erfolgreicher junge Mitarbeiter und Spieler ihre Chancen nutzen können, desto mehr stachelt das auch die etablierten Teammitglieder zu neuen Höchstleistungen an. Im Endeffekt profitieren alle von dem neuen Schwung.

 

9) Die Mannschaft: Chef-Position nicht vor oder hinter dem Team, sondern mitten drin
Jeder Einzelne wird vom Chef gefördert und vom Team getragen. Einzelgänge und individuelle Profilierungssucht haben in diesem Biotop der multiplen Synergien nichts zu suchen, in dem Chef und Team zu einer Einheit (Mannschaft) verschmelzen.

Insgesamt definieren diese 9 Faktoren eine neue Führungskultur, die nicht nur Jogi Löw so erfolgreich gemacht hat, sondern die die „Ära der Macho-Chefs“ auch in der übrigen Wirtschaft endgültig besiegelt. Rücksichtslosigkeit, Besserwisserei und autoritäre Machtdemonstration sind Chef-Eigenschaften von gestern, zukünftig geht es vor allem um charismatische Führungsstärke durch Empathie statt Egomanie.

Hier der Link zur Vertiefung dieses Themas: http://www.überglück.de/charismatische-fuehrungsstaerke-durch-empathie-statt-egomanie/

(1) https://www.welt.de/wirtschaft/article166401745/Das-kann-jeder-Chef-von-Jogi-Loew-lernen.html

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